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Ein unvergesslicher Abend

Nicht ganz bei Trost? Doch! Gelegenheitstorwart Tom Trost (l.) und Sebastian Loos bejubeln den wichtigen Heimsieg gegen Volmetal. – Foto: Gudat

An diesen Handballabend wird man sich im Sauerland noch sehr lange erinnern: Vor rund 1.000 Zuschauern lieferten sich die SG Menden Sauerland Wölfe und der TuS Volmetal ein packendes Derby, in dem sich die Hausherren am Ende nach teils hohen Rückständen hauchdünn mit 29:28 (13:17) durchsetzten. Damit feierte der Aufsteiger vor Saison-Rekordkulisse nicht nur zwei ganz bedeutsame Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, die Art und Weise war in die Kategorie „vollkommen kurios“ einzuordnen.

Denn der Sieg war für die Wölfe teuer erkauft. Bereits in der dritten Minute verletzte sich Torwart Kevin Peichert bei einer Abwehraktion offenbar so schwer am Knie, dass an ein Weiterspielen nicht mehr zu denken war. Bereits in dieser frühen Phase musste Trainer Sascha Simec, der auch kurz vor dem Spiel den viruserkrankten Felix Thier ersetzen musste, im Gehäuse tauschen und fortan ohne Wechselmöglichkeit auskommen.

Jonas Schulte erzielte drei Treffer gegen den TuS. – Foto: Gudat

Kevin Peichert früh verletzt

Der Schreck angesichts der offensichtlich schweren Verletzung steckte den Gastgebern in der Folge in den Gliedern. Die Gäste, die von zwei Fanbussen nach Menden begleitet wurden, starteten wesentlich präsenter, mit mehr Durchschlagskraft und besserer Körpersprache. So musste Simec in der siebten Minute erneut eingreifen – beim Stand von 1:4 in Form einer Auszeit. Zwar erhöhte der TuS noch auf 1:5, danach fanden aber auch die Hausherren offensiv bessere Lösungen.

In der zwölften Minute schien es, als könnten sich die Wölfe in die Partie kämpfen. Aber das zwischenzeitlich per Siebenmeter durch Marcel Vogel erzielte 5:7 beeindruckte die starken Gäste nicht – Niklas Polakovs erhöhte durch drei Treffer in Folge wieder auf 5:10. Kurz vor Ende der Halbzeit lag der TuS noch immer souverän mit 11:17 in Führung. Aber das Spiel des Tabellennachbarn hatte erste Risse bekommen, Trainer Michael war nicht mehr ganz zufrieden. Die SG nutzte diese Phase, um bis zur Pause auf 13:17 zu verkürzen und damit wieder für Hoffnung unter den eigenen Anhängern der insgesamt 960 Zuschauer zu sorgen.

Kapitän Ansgar Heunemann zeigte bei seinem Comeback nach überstandener Augenverletzung eine starke Leistung am Kreis der Wölfe. – Foto: Gudat

In die zweite Halbzeit starteten die Hausherren, bei denen der reaktivierte Florian Bussmeyer nach einem halben Jahr ohne Handball auf der Mitte ein starkes Comeback mit vier Toren feierte, nun wesentlich stärker – spätestens nach dem 16:18 durch Vogler in der 33. Minute war es das erhoffte packende Derby zweier gleichwertiger Teams. Aber trotz mehrfacher Möglichkeiten gelang es der SG nicht, den Rückstand vollständig aufzuholen. Bis zur 42. Minute mussten sich die arg strapazierten Fans gedulden, ehe Vogler mit seinem Tor zum 20:20 die Kreissporthalle endgültig in ein Tollhaus verwandelte. Aber Volmetal konterte noch einmal, ging wieder mit 20:22 (44.) in Führung. Die Schlussviertelstunde sollte dennoch den Gastgebern gehören – und damit das Spiel zu einem Spiegelbild des Hinspiels werden. Hier hatte die SG etwa 45 Minuten den Ton angegeben und dann am Ende doch verloren.

Tom Trost muss in der Schlussphase für Clemens Dundalek ins Tor

Durch vier Tore in Folge übernahmen die Gastgeber die Führung (24:22). Aber wieder glich der TuS aus (52.), jetzt war die Partie erneut völlig offen – Kleinigkeiten konnten den Ausschlag geben. Dies spürten auch beide Fanlager, die sehr fair eine herausragende Stimmung verbreiteten. Die SG legte wieder vor – doch ausgerechnet in dieser Phase gab es die nächste Schrecksekunde für die SG-Anhänger. Torwart Clemens Dundalek, der kurz zuvor bereits einen schweren Kopftreffer einstecken musste, verletzte sich bei einer Parade ähnlich schwer wie Peichert und musste lange behandelt werden. Aber es half nicht, auch für ihn konnte die Partie keinesfalls weitergehen. Somit musste nun Kreisläufer Tom Trost ins Torwarttrikot schlüpfen.

Sofort witterten die Gäste bei noch rund fünf Minuten Spielzeit ihre Chance auf den doppelten Punktgewinn. Für die SG war es dagegen der nächste schwere Rückschlag an diesem Abend. Doch was folgte, hatte noch niemand der Anwesenden erlebt. Tom Trost trieb mit eher unorthodoxen Torwartbewegungen die Angreifer schier in den Wahnsinn. Gleich den ersten Wurf vom Außenspieler entschärfte er, auch in der Folge gelangen weitere Paraden. Damit gab er den entscheidenden Impuls für die gesamte Mannschaft. Da die SG vorne konsequent agierte, stand es auf einmal 29:25. Längst hielt es niemanden mehr auf dem Sitz.

Nach der entscheidenden Parade gab es kein Halten mehr – Tom Trost wurde unter eine Jubeltraube begraben. – Foto: Gudat

Aber wieder sollte es das noch nicht gewesen sein. Volmetal riskierte alles, verteidigte fortan über das gesamte Feld. Und die Taktik ging auf – die Wölfe agierten hektisch, bekamen zudem den ein oder anderen Pfiff nicht, wie vielleicht erhofft. Tor um Tor verkürzte der TuS. Bei noch sieben Sekunden auf der Uhr nahm Michael Wolf dann die Auszeit, um beim Stand von 29:28 vielleicht doch noch einen Punkt aus Menden mitzunehmen. Doch die Rechnung hatte die Gäste ohne Tom Trost gemacht: Der erste Wurfversuch landete am Pfosten, den Nachwurf parierte der Hüne erneut – und wurde damit zum Held des Abends, der direkt irgendwo unter eine Jubeltraube verschwand. Der Kreisläufer wehrte am Ende als Gelegenheitstorwart von acht Bällen an diesem Abend die Hälfte ab. Und hatte damit maßgeblichen Anteil daran, dass dieser Handballabend lange in Erinnerung bleiben wird.

SG Menden Sauerland Wölfe – TuS Volmetal 29:28 (13:17)
SG: Dundalek, Peichert, Trost – D. Flor (5), Bussmeyer (4, 2/3), Vogler (8, ¾), Jost, Heunemann (5), L. Flor, Loos (1), Schulte (3), Krechel (3), Schrage
TuS: Treude, Quick – Kowalski (7, 3/3), Schlierkamp, Brüggemann, Romanov (7), Do. Domaschk, De. Domaschk, Polakovs (6), Brockhaus, Herzog (3), Heidemann (1), Eckervogt (4)
Schiedsrichter: Erkan Günay, Simon Krebs
Zuschauer: 960

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